Vierstimmig: Wachstum –
Nicole Bold, Angela Flaig, Alex Habisreutinger, Anja Klafki
Ausstellung vom 05. Mai - 11. Juni 2023

Nicole Bold: Morgenfrische und Wucherung (Ausschnitt)


Angela M Flaig: Fichte 10x29 _2018, Fichtensamen, 21,5x21,5, Foto Hak Designe


Alexandra Habisreutinger: o.T., Hainbuchenäste I, 40x50x52cm, 2013


Anja Klafki: Gezeiten V 2022 30x40cm

Vierstimmig: Wachstum –
Nicole Bold, Angela Flaig, Alex Habisreutinger, Anja Klafki

Unter Wachstum versteht ein Broker etwas anderes als ein Biologe, ein Kinderarzt betrachtet es anders als ein Onkologe. Der Blick des einen richtet sich eher auf die Probleme und Risiken dieses Themas, der andere sieht eher die Chancen und das Glück im Prozess des Wachstums. Kunst ist per se interdisziplinär - sie kann sich mit jedem Thema beschäftigen, tut das aber auf eine ästhetische Weise, die immer geprägt ist von der Persönlichkeit und ihren soziologischen, politischen, wirtschaftlichen und natürlich von den künstlerischen Voraussetzungen. Dies lässt sich gut in einer Ausstellung der Lände zeigen. Wachstum als natürlicher Prozess steht bei einigen Künstler*innen im Vordergrund, Wachstum als kunstimmanentes Problem bei anderen.

Sehr auffällig ist an dieser Ausstellung, dass sich die Beteiligten bei ihrer Arbeit oft nicht auf eine Abbildung, ein Werk, ein Objekt beschränken, sondern den Raum mit einbeziehen. Dies ist durchaus nicht nur bei den plastischen bzw. skulpturalen Arbeiten zu sehen sondern umfasst alle Kunstgattungen. Besucher erleben also eine raumfüllende, vielfältige Aspekte umfassende Ausstellung, manchmal sinnvoll und meist sinnlich. Den Sinn in dieser Kunst für sich selbst zu entdecken, wird die vornehme Aufgabe des Betrachters, der Betrachterin sein.

Nicole Bold ist in der Lände keine Unbekannte. Vor fünf Jahren leitete sie den Kressbronner KunstCampus und gestaltete selbst eine Ausstellung mit dem Titel " und morgen". Sie arbeitet mit oft großformatiger, praller Malerei an Motiven aus der Natur, die dennoch nie abbildhaft wirken. In ihren neuen Arbeiten geht sie noch einen Schritt weiter. Die Malerei macht sich selbstständig, wandert aus dem Bild heraus in den Raum hinein, wird "gegenständlich" und doch nicht Gegenstand, bleibt Farbe und Form. Ihre Arbeiten sind in hohem Maße sinnlich, ergreifen, rufen Emotionen hervor und führen zum Nachdenken über unsere Wahrnehmung von Natur und Umwelt.

Angela M. Flaig könnte man als die grande dame der konkreten (Natur-)Kunst bezeichnen. Ihre ästhetischen Reihungen von Sammelstücken aus der Natur sind sensible, zurückhaltende, feingliedrige Kunstwerke. Sie überhöht nicht durch einen farbigen oder monumentalen Weg der Präsentation sondern durch eine geschliffene serielle Ordnung, ein platonisches Konstrukt - Kreis, Quadrat, Ring. Die Objekte sind beides gleichzeitig, nämlich Aufzeigen von Vielfalt im Individuellen als auch Einheit im Ganzen. Angela Flaig hat ist einen langen Weg künstlerischer Arbeit mit vielen herausragenden Ausstellungen gegangen. Die Lände freut sich, ihre Kunst zeigen zu können.

Alexander Habisreutinger verwendet Fundstücke, Hölzer aus der Natur, zerlegt diese, verändert sie dabei technisch und setzt sie neu zusammen. Es entstehen Gebilde, die einerseits wieder naturanalog anmuten und organisch wirken, andererseits ihre handwerkliche Bearbeitung nicht verbergen. Ein Spiel zwischen natürlichem und technischem Wachstum, das dabei ist, den Raum - in unserem Fall die Räume der Lände - zu verdichten. Bögen werden zwischen den Wänden geschlagen, der Raum wird verzurrt, verfestigt sich zu einer Installation, ist begeh- und erlebbar. Die einzelnen Glieder dieser Objekte sind in sich selbst spannend und ergeben in Summe ein komplexes Miteinander. Alex Habisreutingers Arbeiten sind in vielen aktuellen Ausstellungen zu sehen.

Anja Klafki ist eine Druckgrafikerin, man möchte fast sagen, der alten Schule. Alle Techniken der Druckgrafik, von der Aquatinta zum Stich, vom Siebdruck zum Schnitt, sind ihr vertraut. Sie geht jedoch für sich einen neuen, eigenen Weg. Ihre Drucke sind inzwischen keine Auflage mehr, sie sind Unikate, oft aus Versatzstücken gedruckt, die mehrfach genutzt werden. Landschaftliche Motive sind in ihrer Arbeit häufig vertreten. An der Ausstellung in der Lände reizt sie auch die Beschäftigung mit der natürlichen Umgebung, dem Wachstum der Pflanzen, der Anlage von Gärten und Plantagen, die Wirkung von See und Bergen. Da bei ihrer Vorgehensweise die Überlagerung von Motiven eine Rolle spielt, ist es für sie nur ein weiterer Schritt, mit transparenten Folien einen Raum zu gestalten.

Wir laden ein, die Sicht auf das Thema Wachstum aus den Blickwinkeln der beteiligten Künstler*innen zu entdecken.