Nichts als der Mensch?
Madeleine Heublein trifft Wieland Förster
Ausstellung vom 3. Oktober bis 9. November 2014
Nichts als der Mensch? – Werden und Vergehen, Hoffnung und Angst, Sehnsucht und Verstummen, Lebensbejahung und Bedrohung, Leben und Sterben, das sind die Gedanken, die sich in ihrer dialektischen Wechselbeziehung durch das künstlerische Werk von Madeleine Heublein und Wieland Förster leitmotivisch ziehen.
Madeleine Heublein ist eine Leipziger Künstlerin, steht in der zeichnerischen Tradition dieser Stadt, dem grüblerischen wie wachen Reagieren auf Zeitströme, den Verbindungen hin zu Literatur und Mytho-logie und hat es geschafft, dieser Tradition ihre eigene Stimme beizumischen. Ein eigenwilliges Werk, das Bilder innerer Auseinandersetzungen vor uns hinstellt, uns konfrontiert mit Verheißungen wie Gefahren, Hoffnungen wie Abstürzen, nie platt oder moralisierend. Ein Werk, das durch eine Art Hintergrundschwingung,
die latent die Malereien, Grafiken und Zeichnungen durchzieht, unruhig macht.
Dr. Ina Gille
1963
1983
1984-90
1984-87
1986
1990
1991-92
seit 1992
1997
2000
2003
2003
2007
2007
2008
in Leipzig geboren
Abschluss Fachschulausbildung als MTA
Abeit in verschiedenen Berufen
künstlerische Druckwerkstatt Leipzig
Geburt Sohn Fabian
Geburt Sohn Hannes
Abendakademie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig
freiberufliche Künstlerin
7. Grafiksymposion Hohenossig
Stipendium der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen
Stipendium der Aldegrever Gesellschaft
Förderpreis der Sparkasse Bayreuth
Symposium Licht- und Siebdruck, Leipzig
Lithographiesymposium STEIN WERK, Leipzig
Stipendium Atelier de Gavure, Paris

www.madeleine-heublein.de

„Als Wieland Förster am 12. Februar 1945 seinen 15. Geburtstag feierte, war die Welt wahrlich nicht in Ordnung, denn am 13. Februar 1945 fiel Dresden im Bombenhagel in sich zusammen. Förster überlebte. Der Junge wurde 1946 vom russischen NKWD wegen illegalen Waffenbesitzes verurteilt und im Speziallager Bautzen inhaftiert. Als er im Zuge einer Amnestie nach vier Jahren entlassen wurde, war seine Jugend vorbei. Förster begann, Bildhauerei in Dresden zu studieren. Die Eindrücke in der Haft, Hunger, Kälte, allnächtliche Verhöre und die Folter der Schlaflosigkeit hatten Försters Gesundheit ruiniert und prägten fortan seine Kunst für das ganze Leben, wenn er auch immer wieder betonte, dass der, welcher zurückkehre, damit beginnen müsse, "nicht mit Rachegefühlen zurückzukehren". Sein Thema: der Mensch. Nicht nur der Leidende, wie er ihn für Dresden mit dem "Großen Trauernden" schuf, sondern auch die sinnlich-schöne Frauenfigur und das Porträt. Uwe Johnson hat er porträtiert, auch Heinrich Böll, Walter Jens, Franz Fühmann und viele andere. An die Vorstellungen normierter, geschönt-optimistischer, sozialistischer Menschenbilder reichten seine Figuren nie heran. Vielmehr schöpfte er tief aus dem eigenen Erleben und der Tradition.

Nichts daran ist laut, spektakulär, so wie Förster selbst nicht zu den lärmenden Kündern einer Epoche gehören wollte. Was er zu seinen "Opfern" schrieb, steht für das Ganze: Sie "sollten nicht länger Versager, Kränkliche und Leidende sein. Sie sollten die Welt der Mächtigen durch ihre physische Präsenz herausfordern können und im Gebrochen-, Gepeinigt- und Zerstörtwerden letztlich Sieger bleiben durch die Unbezwingbarkeit ihrer Substanz, der Form. Wir sind - das sollte keiner vergessen, der das Menschenbild als Aufgabe der Kunst verneint - noch mitten drin im circulus vitiosus des politischen Mordes."

Unabhängig von Moden schuf der heute bei Berlin lebende Bildhauer Figuren, die die Entwicklung der Plastik im 20. Jahrhundert aufgesogen haben. Die Glätte eines Marino Marini mischt sich mit der schrundigen Oberfläche, wie sie Rodin oder Hrdlicka liebten. Giacometti und Wilhelm Lehmbruck, sein Lehrer Fritz Cremer und Ernst Barlach haben ihn beeindruckt und doch nie zum Nachahmer gemacht. Begleitend und vorbereitend zu seinen großen Plastiken entstanden Grafiken und immer auch Texte, Reisenotizen, Prosa.“ Nach Uta Baier

1930
1944-1946
1944
1946-1950
1950-1953
1953-1958
1959-1961
1966
1968-1973
1974

1976
1977
1985
1991
1996
2000
in Dresden geboren
Lehre als technischer Zeichner und Arbeit als Rohrleger
Straflager in Dresden
Verhaftung und Verurteilung durch den sowjetischen NKWD wegen angeblichen Waffenbesitzes, Speziallager Bautzen
Arbeit als technischer Zeichner in Dresden
Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden bei Walter Arnold
Meisterschüler an der Deutschen Akademie der Künste Berlin, seitdem freiberuflich tätig
Will-Lammert-Preis der Deutschen Akademie der Künste
Kunstpreis der DDR
Käthe-Kollwitz-Preis und Wahl zum Ordentlichen Mitglied der Akademie der Künste der DDR,
dort ab 1978 Vizepräsident für Meisterschülerbetreuung
Nationalpreis für Kunst- und Literatur III. Klasse und 1983 II. Klasse
Heinrich-von-Kleist-Kunstpreis der Stadt Frankfurt, Oder
Ernennung zum Ordentlichen Professor für Meisterschüler-Betreuung an der Akademie der Künste der DDR
Austritt aus der Akademie der Künste der DDR, Mitglied des P.E.N. Zentrums Deutschland
Gründungsmitglied der Sächsischen Akademie der Künste Dresden, Kunstpreis der Stadt Dresden
Verdienstkreuz I. Klasse der Bundesrepublik Deutschland


Wieland Förster
aufrechter weiblicher Torso, 1971, Zement, 170 x 66 x 46,5 cm
Madeleine Heublein
Torso II, 2004, Kaltnadelradierung, 30 x 20 cm
Ausstellungs-Rundgang